Froderik und der Bingo Gewinn

Es störte Froderik sehr, als seine Mutter ihn glücklich umarmte, nachdem er widerwillig sein Einverständnis zu einem gemeinsamen Saunabesuch gab, für den Sie zwei Karten beim wöchentlichen Bingospiel im Gemeindehaus gewonnen hatte.

“Viel Spaß bei den Perversen”, sagte der Vater bei der Verabschiedung seiner beiden Familienmitglieder, kurz bevor er sich die Hälfte des Inhalts einer Dose Dänischen Frühstücksfleischs in den Mund steckte.

In der neu eröffeten gemischten Sauna angekommen trennten sich Mutter und Sohn, um sich in den jeweiligen Umkleidekabinen ihrer Kleidung zu entledigen und sich später vor einer der drei Saunen wieder zu treffen, in der es in wenigen Minuten einen besonders wohl riechenden Fichtenaufguss geben sollte. Froderik war nicht wohl zumute bei dem Gedanken, vollkommen nackt in die Öffentlichkeit zu treten; zu selten war er bisher mit Nacktheit konfontiert gewesen. Noch unwohler wurde ihm zumute, als er in der Warteschlange vor der Sauna bemerkte, der Einzige zu sein, der ohne ein um die Hüften geschwungenes Handtuch unterwegs war. Er schämte sich und lief rot an. Als seine Mutter sich daraufhin ihres Handtuchs entledigte und es ihm großzügig anbot, lehnte er ab – peinlich berührt.

Die Aufregung wollte nicht weichen – auch nicht, als alle Saunagäste ihre Plätze eingenommen hatten und gemütlich schwitzend, Oberschenkel an Oberschenkel auf den Bänken saßen und auf den Aufgussmanager warteten. Das Gemurmel unter den Gästen wich andächtigem Schweigen, als Dieter, der gleichzeitig Handtuchwedler war, den Raum betrat.

Kaum hatte Dieter nach erfolgreichem Aufgießen das Handtuch zum Wedeln angesetzt, fiel Froderick, dessen Kreislauf den Strapazen nicht gewachsen war, von seinem Sitzplatz auf der zweiten Bankebene zuerst auf die erste Ebene herunter, dann auf den gefließten Fußboden.

Er staunte nicht schlecht über die Horde Nackter, die sich über sein Gesicht beugte, als er wieder zu sich kam. Die Aussicht wirkte wie Riechsalz auf ihn. Nur noch geringfügig benommen, stand er schnell auf und schaffte es sogar die ihn umringen Menschen mit einem Lächeln von seiner Unversehrtheit zu überzeugen. Sein Lächeln verschwand allerdings flugs, als er merkte, dass er während seiner kurzen Schlafphase offenbar einen feuchtfröhlichen Traum gehabt hatte, der Schwellkörper in seiner Lendengegend angeregt hatte. Noch richteten sich die Augen der Besorgten auf sein Gesicht. Wie lange würde es dauern bis…? “Ich geh´ lieber nach Hause”, sagte er zu seiner Mutter und rannte – noch immer ohne Handtuch – in die Umkleidekabine.

Tobend und fluchend hämmerte er gegen die Schranktür Nr. 37, die sich trotz der gleichlautenden Nummer auf seinem Schlüssel nicht öffnen ließ. Die Schwellkörper füllten sich mit steigender Aufregung. Er schrie, rüttelte an der Tür, brach den Schlüssel ab und weinte fast als er plötzlich eine zornige Stimme hinter seinem Rücken vernahm: Was machst du denn hier? …Verschwinde du Schwein….HILFFEEE!…Komm doch mal jemand…”

Froderik war versehentlich in der Frauenkabine gelandet und somit Opfer eines peinlichen Missverständnisses geworden.

Es war schon später als Froderik mit seiner Mutter von der Polizeiwache nach Hause kam. Sie hatten ihm dort wohl geglaubt, doch Endgültiges würde nur der Prozess klären können, denn von einer Anzeige wollte die erschrockene Frau nicht abrücken.

“Na, euch scheint´s ja gut gefallen zu haben”, sagte der Vater und sah dabei auf seine Uhr.


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