Froderiks Besuch bei Sonja

Froderik war nicht wohl zumute als er das erste Mal seine einzige weibliche Freundin Sonja zum gemeinsamen Mittagessen mit ihren Eltern besuchte. Er hatte sie an einer Bushaltestelle kennen gelernt. Sie war die erste, die sich um ihn kümmerte, als der Seitenspiegel des heranfahrenden Busses seine Stirn streifte und ihn dabei leicht verletzte.

Das war vor drei Wochen. Nun saß er mit Sonja, ihrem kleinen Bruder, Florian, und ihren Eltern am gedeckten Mittagstisch und aß eine Markklößchensuppe, der ein Rehbraten und danach ein Wackelpudding folgen sollte, den Sonjas Mutter nach einem Rezept von Sonjas Grossmutter zubereitet hatte. Die Stimmung war gut, und Froderik schaffte es, sich seine innere Spannung nicht anmerken zu lassen, solange er dem Vater nicht direkt in die Augen sah. Denn dieser hatte keine Freude am Gast seiner Tochter.

„Irgendwas stinkt hier, Hilde“, sagte der Vater nachdem Florian gerade eine seiner Grundschulgeschichten beendet hatte. Froderik war verunsichert, lief rot an und fragte sich wenige Sekunden, ob der Vater dazu übergegangen war, ihn zu beschimpfen oder tatsächlich einen Geruch wahrgenommen hatte. „Na der Braten ist es bestimmt nicht“, sagte Hilde und sah ihren Sohn strafend an. „Aha“, sagte der Vater und alle waren sich wortlos einig, dass der kleine Florian einen Wind fahren gelassen hatte, der den beissenden Geruch in der Luft verantwortete.

Als nach einem halben Rehbraten der Geruch immer noch zugegen war, verlies Froderik den Tisch, um ins Bad zu gehen und somit seiner aufkommenden Übelkeit entgegen zu wirken. Mit Erschrecken stellte er fest, dass er irgendwo draussen in Hundescheisse getreten war und somit die Schuld an der würzigen Atmosphäre am Esstisch trug. Kalter Schweiss rann ihm auf die Stirn und sein gesamtes Leben fuhr vor seinen Augen an ihm vorüber als er daran dachte, eventuell Spuren auf dem Läufer im Flur hinterlassen zu haben. Vorsichtig wischte er den Hundekot mit Klopapierstückchen aus jeder Ritze seiner rechten Schuhsohle und warf sie ins Klo. Danach pinkelte er leise auf die Tücher, da die Wohnung sehr hellhörig war und er trotz geschlossener Tür das Gespräch am Esstisch verfolgen konnte.

„Hast Du ihm gesagt, dass man uns heute Nachmittag das Wasser abgedreht hat?“, fragte die Mutter, doch da hatte Froderik es bereits selbst schon bemerkt. „Jetzt nur keine Panik“, dachte er und begann, vorsichtig die nassen Bündelchen mit Hundekot aus dem Klo zu fischen. Er war bereits seit etwa fünf Minuten im Bad. Wenn er sich nicht beeilte, würde die gesamte Familie überzeugt davon sein, dass er ein grosses Geschäft verrichtet hatte und das schickt sich nicht beim ersten Besuch. Er legte die Bündelchen auf das Gästehandtuch und wickelte sie darin ein. Dann zog er sein rechtes Hosenbein bis zum Knie hoch, versenkte die gefüllte Handtuchrolle zu einem Viertel hochkant in seiner Socke und stülpte danach die Hose wieder über das Handtuch.

„Frodi?“, fragte Sonja und klopfte an die Klotür, „die Spülung geht nicht.“ Froderik antwortete, dass er ohnehin kein Wasser bräuchte, da er sich nur kurz die Hände waschen wollte, als ihm einfiel, dass er hierzu auch Wasser benötigte. „Was machst Du da drin?“, fragte Sonja wieder. Froderik schloss die Tür auf und ging langsam zum Tisch. Er blickte dabei unauffällig sein Hosenbein hinunter und stellte mit Freude fest, dass das Handtuch darunter so gut wie unsichtbar war.

„Es riecht immer noch etwas streng hier“, stellte Froderik fest und kombinierte selbstbewusst, dass der kleine Florian durch unachtsames, kindliches Verhalten wohl in Hundekot getreten war. Er hätte schon beim Reinkommen verdächtige Spuren auf dem Teppich gesehen.

Florian weinte, als der Vater ihm eine kräftige Ohrfeige gab, nachdem er tatsächlich Kotspuren auf dem Teppich entdeckt und inspiziert hatte. Wenn man schon Scheisse baute, sollte man wenigstens dazu stehen, riet er seinem Sohn und schickte ihn auf sein Zimmer.

Froderik ging nach dem gelungenen Einstand singend nach Hause. Er war froh, das Missgeschick mit dem Hundekot unauffällig beseitigt zu haben und bewahrte die gefüllte Handtuchrolle als Beweis seiner intriganten Intelligenz noch eine Woche auf.


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