Froderiks Unfall

Es geschah an einem gewöhnlichen Mittwochmorgen. Froderik stand um 7.00 Uhr auf, um rechtzeitig in der Schule zu sein. Nachdem er sich angezogen hatte, nahm er einen Laib Brot zur Hand, betätigte die elektrische Brotschneidemaschine und bemerkte nach wenigen Sekunden einen stechenden Schmerz in der rechten Hand. Die Maschine, das Brot und auch der untere Teil seines Pulloverärmels waren rot. Froderick erschrak, als er bemerkte, dass er sich die Daumenkuppe der rechten Hand abgeschnitten hatte.

Zum Glück konnte Froderik die Kuppe schnell finden, denn sie lag direkt neben seinem Frühstückskäse. Geistesgegenwärtig nahm er ein halb volles Gurkenglas aus dem Kühlschrank und legte seine Daumenspitze hinein. “Das wäre erst einmal geschafft”, dachte Froderik, “Du hast jetzt eine Menge Zeit gewonnen, mein Freund.” Er wußte, dass Gewürzgurkenwasser in diesem Moment das Beste für seinen Finger war.

Das Gewürzgurkenglas behutsam in eine mit Socken ausgepolsterte Plastiktüte gesteckt und unter seinen Pullover geschoben, schwang er sich auf sein Fahrrad und erreichte nur 20 Minuten später das nächstgelegene Krankenhaus.

“Machen Sie sich keine Sorgen”, sagte der Arzt, während es ihm nach zwei Fehlversuchen gelang, den nach Gurkenwasser duftenden Finger aus dem Glas zu fischen, “das kriegen wir ganz schnell wieder hin. Er verlies den Raum und kündigte an, Schwester Ines vor der Operation zum Fiebermessen vorbei zu schicken.

“Da ist ja der Unglücksrabe”, sagte Schwester Ines lächelnd mit dem Thermometer in der Hand. Froderik war erstaunt: Eine derartige gebündelte Schönheit gekoppelt mit hinreissendem Charme war ihm bisher noch nicht vorgekommen. Er war auf der Stelle verliebt in ihre großen Augen, die langen Beine und das, was er in seiner Fantasie unter ihrem viel zu weit geöffneten Kittel sah. “Gesundheit geht vor”, dachte Froderik und zog sich die Hose herunter um die Empfangsbereitschaft seines Anus für das Fieberthermometer zu signalisieren. Dabei lächelte er gewinnend, denn er bemerkte Schwester Ines` Zögern, bevor sie zur Tat schritt, was Froderik auf mädchenhaftes Verzücken zurückführte, das bei jungen Krankenschwestern beim Anblick eines attraktiven Patienten üblicherweise eintritt.

“So! Sie können nach Hause gehen”, sagte der Arzt, nachdem er den letzten Faden abgeschnitten hatte. Der Finger sah fast wie neu aus. Froderik nahm das Glas mit den Gewürzgurken und machte sich auf dem Weg. Würde er noch einen Blick auf die Angebetete werfen können? Er legte es darauf an und schlich durch die Flure bis er hinter einer Ecke ihre Stimme hörte. Sie unterhielt sich offenbar mit einer anderen Schwester: “… und dann hat dieses picklige Schwein seine Hose `runtergezogen und mir seinen blanken Arsch gezeigt. Ich hätte fast gekotzt. Ich hab dann noch überlegt, ob ich ihm erklären sollte, dass hier die Patienten sich selbst Ihr Fieberthermometer unter den Arm stecken, hab mich dann aber doch entschlossen, ihm das Ding mit Wucht hinten rein…”

Froderik brachte große Mühe auf, sich einzureden, dass sie über einen anderen Patienten gesprochen hatte. Trotzdem gelang es ihm nicht vollkommen, was sich in seinem geplanten Rückzug zeigte, bei dem er das Glas mit den Gewürzgurken auf den Tisch im Aufenthaltsraum der Stationsschwestern direkt neben das Glas mit den Oliven stellte.

Zu Hause beruhigte er sich, denn in der Gebrauchsanweisung des Fieberthermometers seiner Mutter stand eindeutig, dass es bei einer Messung in der Achselhöhle zu Temperaturabweichungen von bis zu 0,5 Grad kommen könnte: Das wäre ohnehin ein zu hohes Risiko für die kleine Chance auf ein intimes Abendessen mit Schwester Ines gewesen.


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